Finanzierung und Kosten Podologie Ausbildung

Podologieausbildung – Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten

Mit Podologie bezeichnet man die sogenannte nichtärztliche Heilkunde am Fuß. Das Tätigkeitsfeld des Podologen ist sehr groß und umfasst unter anderem allgemeine und spezielle, fußpflegerische Maßnahmen am Fuß, das Durchführen von podologischen Behandlungen auf ärztliche Verordnung und das Erkennen von verschiedenen pathologischen Veränderungen am Fuß. Die Ausbildung zum Podologen ist in Deutschland durch das Podologengesetz klar geregelt. Die Ausbildung findet an staatlichen Schulen statt und endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung.
Die Ausbildung selbst kann, sowohl in Teilzeit sowie auch in Vollzeit erfolgen. Die Dauer der Vollzeitausbildung beträgt 2 Jahre und die Dauer der Teilzeitausbildung bis zu 4 Jahre (die Dauer der Teilzeitausbildung variiert je nach Schule). Die Podologieausbildung ist in den meisten Schulen in Deutschland schulgeldpflichtig. Wieviel die Ausbildung genau kostet und welche Finanzierungsmöglichkeiten es für die Podologieausbildung gibt, das erklären wir dir in diesem Beitrag.
Bildungskredit Podologieausbildung

Kostenaufstellung

Ich selbst habe die Podologieausbildung 2 Jahre lang in Vollzeit absolviert. Für diese Zeit habe ich nun eine Kostenaufstellung erstellt, in der man sieht, wie hoch die Gesamtkosten der Podologieausbildung waren. Hierzu muss ich natürlich anmerken, dass jede Podologieschule unterschiedliche Gebühren verlangt, so dass du meine Ausbildungskosten nicht 1 zu 1 auf deine Ausbildung übertragen kannst. Ich denke aber, du bekommst durch die Kostenaufstellung einen sehr guten Anhaltspunkt, um zu wissen, mit welchen Kosten du bei einer Podologieausbildung ungefähr rechnen musst. 

Meine Kosten für die 2-jährige Vollzeitausbildung

Aufnahmegebühr:

120 € einmalig

Monatliches Schulgeld:

1. Lehrjahr: 395 € monatlich

2. Lehrjahr: 380 € monatlich

Verbrauchsmaterial:

1. Lehrjahr : 1200 € einmalig

2. Lehrjahr: 800 € einmalig

In den Kosten für das Verbrauchsmaterial waren unter anderem enthalten:

  • 3 Instrumentensätze
  • 1 Instrumentensatz zur Herstellung von Nagelkorrekturspangen
  • spezielle Verbrauchsmaterialien zur Herstellung von Nagelkorrekturspangen und Orthosen

Prüfungsgebühr:

500 € einmalig

Gesamtkosten für die Podologieausbildung: 11.920 € 

Variable Kosten

Krankenversicherung:

78,50 € monatlich

Fahrtkosten:

ca. 100 € monatlich

Gesamtkosten: 4.284 €

Wie du siehst, habe ich die Kosten etwas unterteilt. Einmal in fixe Kosten, die nicht variabel waren, da diese Gebühren von der Podologieschule so vorgegeben waren und einmal in variable Kosten. Die variablen Kosten unterscheiden sich natürlich bei jedem. Da ich die Ausbildung in Vollzeit absolviert habe, hatte ich die Möglichkeit mich als Schülerin bei der gesetzlichen Krankenversicherung versichern zu lassen. Bei jemanden, der allerdings über die Eltern oder den Ehepartner krankenversichert ist, entfallen diese Kosten dementsprechend. Genau so verhält es sich auch mit den Fahrtkosten. Jemand der einen kürzeren Fahrtweg hat, hat natürlich geringere Fahrtkosten als jemand, der eine weitere Strecke zurücklegen muss. Wenn man die Gesamtkosten für die Podologieausbildung nun zusammenzählt, dann komme ich auf eine Summe von insgesamt 16.204 €.

Finanzierungsmöglichkeiten

Da die Podologieausbildung, wie du siehst, mit relativ hohen Kosten verbunden sein kann, ist es verständlich, dass man sich, vor Beginn der Ausbildung, erst einmal über entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten informiert. Nachfolgend habe ich dir verschiedene Optionen zusammengetragen, die für die Finanzierung einer Podologieausbildung infrage kommen können.

Podologieausbildung Kosten

Du finanzierst die Podologieausbildung selbst. Das ist zwar bei einer Teilzeitausbildung durchaus machbar, weil du hier nebenher noch arbeiten kannst, bei einer Vollzeitausbildung ist das allerdings eher schwierig zu realisieren, da die Zeit, die du nebenher in einen Job investieren könntest, hier sehr begrenzt ist. Natürlich ist es aber auch möglich, dass die Eltern oder der Ehepartner für die Ausbildungskosten aufkommen, sofern das finanziell möglich ist.
Wenn du deine Ausbildung selbst finanzierst, dann kannst du die Kosten hierfür im Übrigen in deiner Einkommensteuererklärung geltend machen.

Podologieausbildung Finanzierung

Du beantragst, zur Finanzierung der Podologieausbildung, einen Bildungskredit. Der Bildungskredit ist ein zinsgünstiger Kredit vom Bildungskreditprogramm der Bundesregierung. Der Vorteil dieses Kredits ist, dass man ihn mit anderen Finanzierungsangeboten kombinieren kann. Du kannst einen Bildungskredit beispielsweise auch dann beantragen, wenn du für deine Podologieausbildung bereits Schüler-Bafög beantragt hast. Die Zinsen beim Bildungskredit sind sehr niedrig und du musst erst 4 Jahre, nachdem du die erste Auszahlung des Bildungskredits erhalten hast, mit der Rückzahlung beginnen. Die Rückzahlungssumme beträgt immer 120 € pro Monat. Sondertilgungen sind übrigens kostenfrei möglich. Das bedeutet, dass der Bildungskredit jederzeit, ganz oder teilweise, zurückgezahlt werden kann.

Weitere Informationen zum Bildungskredit erhälst du hier:

https://www.bva.bund.de/DE/Services/Buerger/Schule-Ausbildung-Studium/Bildungskredit/bildungskredit_node.html

Podologieausbildung Finanzierungsmöglichkeiten

Wenn du gewisse Voraussetzungen erfüllst, dann kannst du, zur Finanzierung deiner Podologieausbildung, auch Schüler-Bafög beantragen. Das Schüler-Bafög wird als Vollzuschuss gewährt. Das bedeutet, dass du den erhaltenen Zuschuss nicht zurückzahlen musst! Um für das Schüler-Bafög für deine Podologieausbildung beantragen zu können, musst du allerdings folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Du musst bei Ausbildungsbeginn unter 30 Jahre alt sein
  • Bei der Berechnung des Schüler-Bafögs wird dein eigenes Einkommen, das Einkommen deiner Eltern und das Einkommen deines Ehepartner mit eingerechnet
  • Wenn du Anspruch auf elternunabhängiges Bafög hast, wird das Einkommen deiner Eltern nicht mit eingerechnet
  • Du kannst elternunabhängiges Bafög erhalten, wenn du, vor der Podologieausbildung, bereits 5 Jahre berufstätig warst
  • Wenn du vor der Podologieausbildung eine andere 3-jährige Ausbildung gemacht hast, dann genügt es, wenn du nach dieser Ausbildung noch 3 weitere Jahre berufstätig warst, um elternunabhängiges Bafög zu beantragen
  • Du hast einen Vermögensfreibetrag von 8.200 €
  • Vermögen, welches über den Freibetrag von 8.200 € hinausgeht, wird auf die Bafög Leistungen angerechnet

Weitere Informationen zum Schüler-Bafög bekommst du hier:

https://www.bafög.de/de/bafoeg-fuer-schuelerinnen-und-588.php

Podologieausbildung Kostenaufstellung

Die Finanzierung der Podologieausbildung ist auch über die Agentur für Arbeit möglich. Die Agentur für Arbeit fördert, mit sogenannten Bildungsgutscheinen, berufliche Weiterbildungen. Die Förderung über die Agentur für Arbeit ist möglich, wenn die berufliche Weiterbildung notwendig ist. Eine Notwendigkeit sieht die Agentur für Arbeit gegeben, wenn durch die Weiterbildung,

  • eine drohende Arbeitslosigkeit abgewendet werden kann.
  • eine Arbeitslosigkeit beendet werden kann.
  • kein Berufsabschluss vorhanden ist und ein fehlender Berufsabschluss so nachgeholt werden kann.

Weitere Informationen, zur finanziellen Förderung der Podologieausbildung, durch die Agentur für Arbeit, findest du hier:

https://www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung/foerderung-berufliche-weiterbildung

Kosten und Finanzierung der Podologieausbildung

Eine Umschulungsmaßnahme ist nicht nur über die Agentur für Arbeit, sondern auch über die Deutsche Rentenversicherung möglich. Diese Maßnahme nennt sich “berufliche Rehabilitation” und wird, im Gegensatz zum Bildungsgutschein, nicht aus Gründen der bestehenden oder drohenden Arbeitslosigkeit, sondern aus gesundheitlichen Gründen gewährt.
Eine berufliche Rehabilitation kann von der Deutschen Rentenversicherung genehmigt werden, wenn man seinen bisherigen Beruf, aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Durch die berufliche Rehabilitation soll eine Eingliederung im Arbeitsleben erhalten oder wieder erreicht werden. Um eine berufliche Rehabilitation zu erhalten, müssen gewisse Voraussetzungen vorliegen.
Eine Voraussetzung ist beispielsweise die Erfüllung einer Wartezeit von 15 Jahren. Das sind Zeiten in denen u.a. Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge gezahlt wurden.

Weitere Informationen zur beruflichen Rehabilitation sind hier erhältlich:

https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Reha/Berufliche-Reha/berufliche-reha.html

Podologieausbildung Kostenaufstellung

Es besteht auch die Möglichkeit, die Podologieausbildung über eine Podologische Praxis finanzieren zu lassen. Viele Podologische Praxen suchen händeringend nach Mitarbeitern und bieten teilweise sogar an, die Podologieausbildung zu finanzieren und sich ihren Nachwuchs damit sozusagen selbst auszubilden. Besonders beliebt ist diese Finanzierungsform in der Teilzeitausbildung. Hierbei arbeitest du eine gewisse Stundenzahl (die vorher vertraglich vereinbart werden sollte) in der Praxis mit und die restliche Zeit bist du in der Schule zum Unterricht.

Vollzeit- oder Teilzeitausbildung?

Ob eine Vollzeit- oder eine Teilzeitausbildung sinnvoller für dich ist, kann dir keiner beantworten, da das immer sehr individuell von der einzelnen Lebenssituation abhängig ist. Bei der Vollzeitausbildung hast du dein Examen zwar schneller in der Tasche, allerdings bist du hierbei natürlich zeitlich ziemlich eingespannt.
Was definitiv bei beiden Ausbildungsformen noch hinzu kommt und zeitlich nicht unterschätzt werden sollte, ist das Aufbereiten bzw. Lernen der Inhalte, die dir im Unterricht vermittelt werden. Hierzu solltest du dir noch entsprechende Zeit einplanen, damit du dich daheim in Ruhe mit dem Lernstoff befassen kannst.
Egal für welche Ausbildungsform du dich letztendlich entscheidest, du kannst dir sicher sein, dass du mit der Podologie einen Beruf erlernst, der Zukunft hat. Denn Podologen sind sehr gefragt und werden es sicherlich auch in Zukunft noch sein.

Schulgeldbefreiung

Mittlerweile gibt es ein paar Bundesländer, in denen die Schulgeldbefreiung für einige Therapieberufe eingeführt wurde. So verlangen z.B. Hessen und NRW aktuell kein Schulgeld mehr für die Podologieausbildung. Wie die aktuelle Gesetzeslage hierzu in deinem Bundesland aussieht, erfährst du am einfachsten, wenn du dich bei deiner Podologieschule vor Ort erkundigst.

Fazit:

Wie du siehst, gibt es verschiedene Möglichkeiten, mithilfe denen du eine Podologieausbildung finanzieren kannst. Es bleibt außerdem zu hoffen, dass in Zukunft immer mehr Bundesländer dem Beispiel von Hessen und Nordrhein-Westfalen folgen und die Schulgeldfreiheit einführen, damit sich zukünftige Podologieschüler/innen weniger Gedanken über die Finanzierung machen müssen.

Youtube Maria Magritta